Die vier Waldtierfreunde - Das zweite Abenteuer


24. Dezember

Sie gingen ein paar Schritte und siehe da: Hier stand ihre kleine Tanne. Sie war wunderschön geschmückt mit Nüssen und Eicheln, getrockneten Früchten und Beeren. Auch die lange Kette aus getrocknetem Laub war wie jedes Jahr um den Baum gewickelt. Und Kerzen waren auf der Tanne! Wie hübsch sie doch aussah! Es dauerte gar nicht lange, da kamen die Familien der vier Waldtierfreunde auf die Lichtung und begrüßten ihre Ausreißer voller Freude. Finn, Hubi, Ingo und Mara wurden in die Arme genommen und ganz fest gedrückt. Sie waren gesund und wohlbehalten wieder zu Hause angekommen. Das war für alle das schönste Weihnachtsgeschenk. 

 

 

Als es dunkel wurde, saßen alle beisammen an der festlich gedeckten Tafel. Daneben stand die kleine geschmückte Tanne mit den brennenden Kerzen. Es gab reichlich zu essen, es wurde gefeiert und gesungen. Die vier Waldtierfreunde hatten ihren Familien viel zu erzählen von ihren Erlebnissen in der großen Stadt. Auch ihre Freunde Hipster, Fiona und Mikesch saßen mit bei ihnen und feierten Weihnachten. Noch nie zuvor hatten die vier Waldtierfreunde ein so schönes Weihnachtsfest erlebt. 

 

23. Dezember

„Wow, das war ja ein ganz schönes Abenteuer“, staunte Hipster. „Nun wird es aber Zeit, dass ihr wieder nach Hause kommt. Eure Familien vermissen euch bestimmt schon“, fügte er besorgt hinzu. „Wisst ihr was, heute Abend kommt der Weihnachtsmann auf seiner Rückreise hier vorbei, da nimmt er uns bestimmt alle wieder mit“, endete Hipster und zwinkerte den vier Waldtierfreunden zu. 

 

Die vier Waldtierfreunde hatte ein kleines schlechtes Gewissen, weil sie so heimlich auf den Schlitten des Weihnachtsmannes geschlichen waren, aber da sie sehr gerne wieder nach Hause wollte, war dies die beste Gelegenheit. Sie machten sich auf den Weg durch die Altstadt, hinauf auf den großen Platz, wo sie mit dem Schlitten angekommen waren. Als sie dort kamen, sahen sie auch schon Flöckchen mit dem Schlitten um die Ecke sausen. Der Weihnachtsmann hatte alle seine Geschenke pünktlich verteilt und so war viel Platz auf dem Schlitten. Der Weihnachtsmann begrüßte Hipster, Fiona und Mikesch und lächelte die vier Waldtierfreunde gütig an. Er wusste längst, dass sie sich schon zum zweiten Mal auf seinen Schlitten versteckt hatten. Schließlich war er der Weihnachtsmann und wusste alles. 

 

 

Sie stiegen alle auf den Schlitten und deckten sich mit warmen Fellen zu. Mikesch und Fiona reisten auch mit. Der Weihnachtsmann nahm die Zügel in die Hand und rief: „Los, Flöckchen, lauf. Wir fahren nach Hause.“ Schon rannte Flöckchen los und der Schlitten fuhr in Windeseile davon, hinaus aus der Stadt. Hubi, Ingo, Mara und Finn schliefen in dem kuschligen Fell sofort ein. Sie erwachten ganz früh am nächsten Morgen - da hatten sie schon die ganze Heimfahrt verschlafen. Sie rieben sich die Augen und sahen, dass sie auf der Lichtung in ihrem Wald angekommen waren. Voller Freude hüpften sie aus dem Schlitten und verabschiedeten sich dankbar beim Weihnachtsmann. 

22. Dezember

Einige Minuten später kam sie zurück. Neben ihr lief noch Fuchs. Er sah etwas seltsam aus. Er trug einen dicken weißen Bart aus Watte und einen roten Umhang mit  Kapuze. Er sah ein bisschen aus wie der Weihnachtsmann. Der Fuchs lief auf die vier Freunde zu, streckte die Arme aus und rief: „Hallo meine Freunde, was macht ihr den hier?“ Während er sprach, zog er den Bart ein Stück herunter, damit man sein Gesicht sehen konnte. Nun erkannte auch die vier Waldtierfreunde, wer vor ihnen stand. “Hipster!“, riefen sie im Chor, rannten auf ihren Freund zu und umarmten ihn. Das war ja wirklich eine riesige Überraschung. Finn, Hubi, Ingo und Mara waren überglücklich. Endlich hatten sie ihren Freund gefunden!

 

Hipster schob den Bart wieder nach oben und brummte mit tiefer, verstellter Stimme: „Ho, ho, ho! Kommt Kinder, steigt wieder ein. Ihr dürft meine Schicht mit mir zu Ende fahren. Ich zeige euch die Stadt.“ Alle stiegen wieder in das Märlitram ein. Diesmal durfte auch Mikesch mit. Sie fuhren die Runde noch ein paarmal, aber das war völlig in Ordnung. Sie hatten sich viel zu erzählen und entdeckten immer wieder Neues. Inzwischen war es dunkel geworden und Hipster fuhr mit seinen Fahrgästen durch eine breite, herrschaftliche Straße, die zum großen Bahnhof führte. „Schaut mal“, sagte Hipster und wies nach oben. „Das hier ist Lucy“, erklärte er weiter. Die vier Waldtierfreunde blickten nach oben und entdeckten die zauberhafte Weihnachtsbeleuchtung. Hier leuchteten Tausende von kleinen Lichtern, sie flackerten wie Sterne und manchmal änderten sie sogar die Farbe. Es sah einfach atemberaubend aus. So etwas Schönes hatten Ingo, Hubi, Finn und Mara noch nie gesehen.

 

Als Hipsters Schicht zu Ende war, fuhren sie mit dem Märlitram ins Depot. Hipster erzählte ihnen, warum er den Fahrdienst im Märlitram übernommen hatte: Der Weihnachtsmann musste dieses Jahr so viele Geschenke verteilen, dass er dafür einen Tag mehr benötigte. Damit er das auch alles schaffte, bat er Hipster darum, einen Tag für ihn das Märlitram zu fahren. Hipster half natürlich gerne und so konnte er auch seine Freundin Fiona einmal wieder besuchen. Fiona nickte zustimmend und freute sich sehr über Hipsters Besuch und dass sie nun auch seine Freunde kennen gelernt hatte. 

 

 

In der Nähe des Flusses, setzten sie sich in ein gemütliches Café. Sie tranken heiße Schokolade, aßen Karottenkuchen und die vier Waldtierfreunde erzählten was sie in den letzten Tagen alles erlebt hatten. 

21. Dezember

Die Füchsin bemerkte sofort, dass die kleine Maus traurig war. Sie setzte sich neben Mara, nahm sie in den Arm und strich ihr über die tränennasse Mäusebacke. „Was ist den los, kleine Maus? Warum bist du in der schönen Weihnachtszeit so traurig?“, versuchte sie Mara zu trösten. Die kleine Mara schluchzte noch immer.Also begann Ingo zu erzählen, warum sie hier waren, dass sie ihren Freund, den Fuchs Hipster, suchten und sie gehofft hatten, hier im Märlitram den Weihnachtsmann zu treffen, der ihnen vielleicht sagen könnte, wo sie Hipster finden würden. 

 

 

Die Füchsin lauschte der Erzählung aufmerksam und wollte nun etwas genauer wissen, wer dieser Hipster war. Die vier Waldtierfreunde erzählten abwechselnd, wie sie bereits im letzten Jahr mit dem Schlitten des Weihnachtsmannes in die große Stadt gereist waren. Sie erzählten von ihren aufregenden Abenteuern, wie sie den Stadtfuchs Hipster kennengelernt hatten und dass Hipster ihnen die Stadt gezeigt hatte. Als sie zu Ende erzählt hatten, sprach die Füchsin mit einem verschmitzten Lächeln: „Hmm, also ..., den Weihnachtsmann findet ihr hier leider nicht, aber wenn die Fahrt mit dem Märlitram zu Ende ist, dann habe ich eine schöne Überraschung für euch. Ich heiße übrigens Fiona.“ Die vier Waldtierfreunde stellten sich nun auch mit ihren Namen vor. Sie fanden Fiona sehr nett und waren schrecklich neugierig, welche Überraschung Fiona für sie hatte. Fiona reichte ihnen einen Lebkuchen. Er schmeckte köstlich nach Weihnachtsgewürzen. Nun konnte auch Mara wieder lachen. Sie schauten aus dem Sternenfenster und genossen die Fahrt durch die weihnachtliche Stadt. Inzwischen fing es an zu dämmern. Bald war die Runde zu Ende und das Märlitram fuhr wieder auf den großen Platz. Draußen sahen sie schon Kater Mikesch stehen, der auf sie gewartet hatte. Fiona stieg mit den vier Waldtierfreunden aus. „Wartet hier einen kleinen Augenblick, ich bin gleich wieder zurück“, sagte sie geheimnisvoll. Sie lief ans Wagenende und verschwand auf der anderen Seite des Märlitrams. 

20. Dezember

Eine ganze Weile standen sie so da und genossen das schöne Stadtbild. Dann liefen die vier Waldtierfreunde mit Mikesch wieder zurück über den großen Platz. Zwischen ein paar Bäumen stand ein winziges rotes Häuschen mit einem Fenster und golden Lichtern auf dem Dach. Drinnen stand ein Engel, bei dem man Tickets für die Fahrt mit dem Märlitram kaufen konnte. Mikesch kaufte vier Tickets und gab je eins davon an Mara, Hubi, Ingo und Finn. „Gleich kommt das Märlitram, da steigt ihr ein und fahrt eine Runde mit. Das ist ein Riesenspaß. Ich darf leider nicht mit, ich bin schon zu groß dafür“, erklärte Mikesch lachend und zwinkerte den vier Waldtierfreunden zu. „Der Fahrer des Märlitrams ist der Weihnachtsmann. Er kann euch dann bestimmt weiterhelfen, wenn ihr ihn fragt“, ergänzte er und da kam es auf den Schienen schon herangefahren - das Märlitram. Es war rot mit weihnachtlichen Bildern. Auf dem Dach hatte es runde goldenen Lichter und die Fenster waren voller goldener Glitzersterne. Es sah sehr hübsch und einladend aus.

 

 

Die vier Freunde kamen aus dem Staunen nicht heraus. Sie stiegen ein und wurden sogleich von einem freundlichen Engel in Empfang genommen. Genau genommen war es eine Füchsin, die als Engel verkleidet war. Sie hatte hellrotes Fell und eine strahlend weiße Fuchsschnauze. Auf dem Rücken trug sie ein paar große weiße Engelsflügel. Finn lächelte entzückt über sein ganzes Fuchsgesicht. Er fand es großartig, dass es noch mehr Füchse in dieser Stadt gab. Sie setzten sich auf die Bank und kurz darauf, bimmelte ein helles Glöckchen, dann setzte sich das Märlitram in Bewegung und die Fahrt ging los. Die verkleidete Füchsin verteilte Plätzchen, Schokolade und Mandarinen. Anschließend erzählte sie eine hinreißend schöne Weihnachtsgeschichte. Als sie die Geschichte zu Ende erzählt hatte, war die kleine Mara ganz traurig und eine große dicke Träne kullerte ihr über die Wange. Sie musste an Zuhause denken. Sie vermisste ihre Eltern und Geschwister. Sie waren so weit weg von daheim und hatten Hipster noch immer nicht gefunden. 

19. Dezember

Bei Tage sah alles ganz anders aus und die vier Waldtierfreunde klebten mit ihren Nasen am Busfenster. Spannend, was es auf so einer Fahrt alles zu entdecken gab! Kater Mikesch, der die Stadt sehr gut kannte, erklärte den Vieren, wo sie lang fuhren. Die Fahrt führte über einen kleinen Fluss und an der Haltestelle vorbei, an der sie am Tag zuvor zum ersten Mal in den Bus gestiegen waren. Mitten am Tage sah alles viel freundlicher aus. Sie sahen sogar den großen Bahnhof, den sie gestern so verzweifelt gesucht hatten. Der Bus fuhr weiter und überquerte noch einen zweiten, etwas größeren Fluss. Dann stand Mikesch auf und sagte: „Hier müssen wir umsteigen. Weiter geht es mit dem Tram.“

 

 

Die vier Waldtierfreunde waren noch nie mit einem Tram gefahren. Das Tram fuhr auf Schienen und hatte die selbe blaue Farbe, wie der Bus. Sie stiegen ein und fuhren dem großen Fluss entlang: „Seht mal! Da oben!“, rief Ingo und zeigte mit seinen kleinen Krallen auf die Mauer, wo sie gestern mit Tabea und Trudy gesessen hatten. In der Straße, die sie entlang fuhren, gab es viele Geschäfte und kleine Cafés. Kurz darauf fuhr das Tram auf einen großen Platz. Hier stiegen sie mit Mikesch zusammen aus. „Kommt, ich möchte euch etwas zeigen“, lockte Mikesch. Er lachte verschmitzt und winkte mit der Pfote. Die vier Waldtierfreunde folgen ihm. Sie überquerten den großen Platz und ebenso eine weitere breite Straße, die sehr befahren war. Nach ein paar Schritten standen sie auf einer Brücke.Wow, was für ein Anblick! In die eine Richtung konnte man einen grossen See sehen und wenn man auf die andere Seite schaute, sah man auf den Fluss und die schöne Stadtsilhoutte. Es gab sogar einen Weihnachtszirkus, der mit zauberhaften Lichtern beleuchtet war 

18. Dezember

Als die vier Waldtierfreunde am nächsten Tag erwachten, war es schon fast Mittag. Auf dem kleinen Markt herrschte bereits munteres Treiben. Die drei Zuckerfeen verkauften ihre Backwaren und Mikesch war unterwegs, um heiße Schokolade und Bratäpfel fürs Frühstück zu holen. Die vier Waldtierfreunde streckten sich und krochen aus den kuschligen Kisten. Sie hatten himmlisch geschlafen, waren gut gelaunt und munter. Nach dem Frühstück bekamen alle fünf noch ein kleines Paket für die Weiterreise. Es war mit getränktem Orangenkuchen und Zimtplätzchen gefüllt. „Mikesch hat uns erzählt, warum ihr so weit gereist seit“, fing Mery die Unterhaltung an. „Da haben wir uns beraten und hatten folgende Idee“, erzählte Titzi weiter „Da gibt es in der Stadt das Märlitram, darin fährt der Weihnachtsmann seine Runden. Der kann euch bestimmt weiterhelfen“, beendete Flo ihre Idee. „Und ich bringe euch dahin, wo das Märlitram fährt“, fügte Mikesch noch hinzu. 

 

 

Die vier Waldtierfreunde bedankten sich bei den drei Zuckerfeen und umarmten sie zum Abschied. Dann machten sie sich mit Mikesch zusammen auf den Weg ins Stadtzentrum. Sie waren sehr gespannt auf dieses Märlitram und auch darauf, ob sie Hipster bald finden würden. 

 

17. Dezember

Im Häuschen drinnen standen drei Katzen. Sie waren kaum größer als Mikesch und hatten ein freundliches Lächeln im Gesicht. Sie trugen alle eine dicke Jacken und einen dicken weißen Schal um ihren Hals. Mikesch grüßte sie, erzählte warum sie hier waren und richtete die Grüße von Madame Mitzi aus. Die drei lächelten verständnisvoll und baten die vier Waldtierfreunde und Mikesch in ihr winziges Häuschen. „Wir sind Titzi, Flo und Mery“, stellten sich die drei liebenswürdigen Katzendamen vor und reichten den vier Waldtierfreunden einen Teller mit süßen Plätzchen, die mit Himbeermarmelade gefüllt waren. „Wif find Hufi, Mafa, Finn und Ingfo“, stelle Ingo sich und seine Freunde vor. Er kaute genüsslich an einem der herrlich schmeckenden Plätzchen. Die drei Zuckerfeen schmunzelten zufrieden. Dann zeigten sie unter die Verkaufstheke. Dort standen zwei Holzkisten die mit Schneewatte und Dekostoff gefüllt waren. 

 

„Hier habt ihr einen warmen Platz zum Schlafen“, sagte Flo. „Und morgen früh werden wir sehen, wie wir euch weiterhelfen können“, ergänze Titzi. Hubi, Finn und Ingo stiegen in die eine Kiste und deckten sich mit der weichen Schneewatte zu. Mikesch hob die kleine Mara in die andere Kiste, deckte sie mit der Schneewatte zu, stieg dann selbst in die Kiste und rollte sich in den Dekostoff ein. Er nahm sich noch ein Zimtplätzchen, das heruntergefallen war. Die anderen vier waren bereits tief und fest eingeschlafen. 

 

16. Dezember

Nach einer Weile war der Bus an der Endstation angekommen: „Endstation, alles aussteigen. En schöne Abig!“, sagte der Busfahrer durch den Lautsprecher. Mara erwachte und rieb sich die müden Augen. Sie steigen alle aus und liefen ein paar Schritte bis zur nächsten Straßenecke. Hier herrschte ein munteres, friedliches Treiben. Auf beiden Seiten der Straße standen kleine hölzerne Häuschen, die mit Schneewatte und Lichterketten geschmückt waren. Von irgendwoher klang Weihnachtsmusik aus einem Lautsprecher und es duftete herrlich nach Bratwurst, Glühwein und heißem Käse. Die Stimmung war fröhlich und die Menschen gut gelaunt auf diesem kleinen Weihnachtsmarkt. Mikesch und die vier Waldtierfreunde schlenderten die Straße entlang, bis Mikesch vor einem kleinen Häuschen stehen blieb. Es war ebenfalls mit einer Lichterkette und vielen winzigen Schneeflocken geschmückt. Die Verkaufstheke war gefüllt mit leckeren Plätzchen und Kuchen, die mit buntem Guss und Zuckerflocken dekoriert waren. Am Häuschen hing eine Tafel, auf der stand in großen Buchstaben: “Die Drei Zuckerfeen“. 

 

15. Dezember

Plötzlich drang ein seltsamer Geruch nach verbrannter Fischsuppe in den Roten Salon. „Ohhh, mon Dieu! Meine Fischsuppe!“, rief Monsieur Jacques und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Im nächsten Moment stürmte er aus dem Roten Salon und eilte die Treppe hinunter. François folgte ihm dicht auf den Fersen. 

Madame Mitzi blickte kurz nach oben, schnupperte und rümpfte darauf ihre süße Katzennase. „Los, alle runter. Geht! Helft Monsieur Jacques, damit er mit diesem Gestank nicht alle Gäste vertreibt!“, kommandierte sie die Runde. Sofort folgten die Hitzköpfe Madam Mitzis Anweisung und begaben sich in die Küche. Nur Doggendame Dagmar blieb schnarchend in ihrem Lederstuhl sitzen.

 

 

Als Finn seine Erzählung beendet hatte, wandte sich Madame Mitzi an Mikesch, der ebenfalls im Salon geblieben war: „Mikesch, bring diese Kinder hier weg. Bring sie zu den drei Zuckerfeen. Das sind gute Freundinnen von mir. Die vier Waldtierfreunde brauchen einen Platz für die Nacht. Hier ist es nicht sicher. Los, macht euch gleich auf den Weg!“ Sie drückte jeden der vier kurz an sich, dann öffnete sie die Tür des Roten Salons und schickte Mikesch mit den vier Waldtierfreunden die Treppe hinunter, hinaus auf die Straße. 

 

 

Mikesch, Finn, Hubi und Mara liefen schnell um ein paar Häuserecken zur Bushaltestelle, Ingo wackelte etwas langsamer hinterher. Er war noch ganz benommen von der zauberhaften Madame Mitzi. Es dauert gar nicht lange, da kam die Nummer 31 angefahren. Alle fünf hüpften in den Bus. Dieser war inzwischen fast leer, sodass sie sich alle setzen konnten. Mara saß neben Hubi, kuschelte sich an sein warmes Fell und schlief sofort ein. Die anderen schauten schweigend aus dem Fenster. Es begann zu schneien. 

 

 

14. Dezember

Jagger warf seine Spielkarten verdeckt auf den Tisch. „Mensch Pit, wo hast du die denn schon wieder aufgegabelt?“, seufzte der zerzauste Kater. „Immer bist du auf Ärger aus“, maulte Jagger weiter und rollte kopfschüttelnd die Augen.

“Wen hast du uns hier mitgebracht? Ihr kennt die Vier?“, erkundigte sich Madame Mitzi mit samtig-rauchiger Stimme.

Pitbull erzählte, wie sie die vier Waldtierfreunde im Bus getroffen hatten. Als er an der Stelle mit dem Mundgeruch angelangt war, schüttelte er den armen Finn, den er immer noch mit eisernem Griff festhielt. „Und nun haben wir noch eine Rechnung offen!“, beendete Pitbull seine Erzählung. 

Jagger schlug die Pfoten vors Gesicht. „Oh, meine Güte“, jaulte er. Ihm war sein Kumpel gerade sowas von peinlich. Sigi und Karl brachen in schallendes Gelächter aus: „Na klar Pit! Du willst dich doch nicht wirklich mit diesem Dreikäsehoch schlagen?“, spottete der Kartäuserkater Karl und lachte mit Sigi zusammen weiter. Pitbull ließ Finn fallen und wollte auf Karl losgehen. „Ehh, ganz ruhig, Pit!“ mischte sich Sigi ein, „Das ist doch kein Grund, sich hier zu schlagen. Außerdem hat der kleine recht. Aus deinem Maul stinkt es wie Huf.“ Sigi und Karl prusteten wieder los. Wutentbrannt schlug Pit mit der Faust auf den Spieltisch, sodass Karten und Geldscheine durcheinander flogen. Erschrocken schlug Doggendame Dagmar die Augen auf. „Hab ich was verpasst?“, fragte sie verwirrt. Sie war am Tisch kurz eingenickt. Jetzt gähnte sie und sperrte ihr Maul so weit auf, dass man ihr Halszäpfchen sehen konnte. Madam Mitzi zwinkerte ihr schmunzelnd zu und winkte ab.

 

Hamster Carlos stand auf und schaute die vier Waldtierfreunde böse an. Dann wandte er sich Pitbull zu und zischte zwischen seinen Zähnen und dem Streichholz hervor: „Man muss den kleinen Ratten hier Einhalt gebieten, solange sie noch klein sind.“. 

„Wir sind kei...“, wollte sich Finn gerade verteidigen, da schlug ihm Hubi seine Pfote auf die Schnauze. „Pssst, sei still Finn! Wir sitzen schon tief genug in der Klemme.“ flüsterte er Finn ins Ohr.

„Wir machen sie zu Fischfutter!“, spornte Carlos Pitbull an. Und schon wollten sich die beiden auf die vier Waldtierfreunde stürzen. Da erhob sich Madame Mitzi von ihrem Lederstuhl, ging mit geschmeidigem Gang auf die hitzigen Köpfe zu und wandte sich mit erhabener Stimme an sie: „Jungs..., seid nicht albern. Setzt euch hin und spielt weiter, sonst fliegt ihr hier alle raus!“ Sie warf den Streithähnen einen betörenden Augenaufschlag und verlieh ihrer Aussage mit einem leisen Fauchen Nachdruck. Dann neigte sie sich zu den vier Waldtierfreunden hinab und schnurrte mit ihrer samtigen Stimme: „Das sind doch noch Kinder, nicht wahr?“ Sie zwinkerte den vieren zu und kitzelte den kleinen Ingo mit einer Kralle am Kinn. 

„Was treibt euch eigentlich in diese gefährliche Gegend?“, frage sie Ingo. Der kleine Igel war hin und weg von ihren unglaublich blauen Augen. Statt Madame Mitzi zu antworten, stammelte er nur unverständliches Zeug und lächelte vor sich hin. Finn trat hervor und übernahm das Antworten. 

 

„Wir sind die vier Waldtierfreunde und kommen von weit her, um unseren Freund Hipster zu besuchen“, begann er zu erzählen. Madame Mitzi hörte aufmerksam zu. 

 

13. Dezember

Der Rote Salon war geschmackvoll eingerichtet. Die roten Samttapeten waren barock gemustert. Auf den antiken Möbeln aus dunklem Holz standen Leuchter mit roten Kerzen. Gemälde in protzigen Bilderrahmen hingen an den Wänden. In der Mitte des Raumes stand ein runter Tisch, der mit grünem Filz überzogen war. Einige Spielkarten und jede Menge Geldscheine lagen darauf. Um den Tisch herum standen große schwarze Lederstühle mit hohen Lehnen. Lauter seltsame Gestalten mit versteinerten, regungslosen Gesichtern saßen um den Tisch herum. Einigen von ihnen hing eine Zigarre im Mundwinkel. Der Raum war voller Qualm.

 

 

Als Pitbull mit den vier Waldtierfreunden und der gesamten Küchenmannschaft eintrat, blickte die illustre Gesellschaft erstaunt über den Rand der Spielkarten in ihren Händen. Unter ihnen saß auch der zerzauste graue Straßenkater, der mit Pitbull im Bus gesessen hatte. Er hörte auf den Namen Jagger. Neben Jagger sass die Doggendame Dagmar. Sie musste schon ziemlich alt sein. Sie hatte einen traurigen Blick und ihre Haut hing in tiefen Falten herab.  Kartäuserkater Karl neben ihr hatte einen fiesen Blick und sein linkes Ohr war gespalten. Es folgte Schäferhund Sigi. Er trug eine dunkle Sonnenbrille und in seinem Maul blitzen zwei Reihen, strahlend weißer Zähne hervor. Der nächste in der Runde war Hamster Carlo. Er hatte einen langen, dunklen Schnurrbart, seine Arme waren durchtrainiert und voller bunter Zeichnungen. Er hatte dicke Wangen und kaute nervös auf einem Streichholz herum. Die letzte in der Runde war eine elegante Katze von schmaler Gestalt. Sie hatte ein helles Fell, trug lange schwarze Handschuhe und schwarze Strümpfe. In ihrem dunklen Gesicht leuchteten zwei strahlend blaue Augen, die vonlangen Wimpern umkränzt waren. Ihren schlanken Hals zierte ein funkelndes Diamantcollier. Sie war atemberaubend schön: Madame Mitzi.

12. Dezember

„Ihr schon wieder! Verfolgt ihr mich etwa? Erst nervt ihr mich im Bus und dann krieg ich euretwegen nix zu essen“, knurrte Pitbull wütend und ließ dabei seine spitzen Zähne blitzen. Er lehnte sich über den Küchentisch, griff nach Finn und zischte ihn an: „Wir haben noch eine Rechnung offen!“ Ohne auf die anderen zu achten, zerrte Pitbull den erschrockenen Finn hinter dem Küchentisch hervor und wollte mit ihm aus der Küche laufen. Mutig sprang ihm Hubi hinterher und klammerte sich an Pitbulls Bein. Ingo und Mara taten es ihm gleich und schnappten sich je einen Zipfel von seiner Lederjacke. Unbeirrt schlurfte Pitbull mit seinem Anhang aus der Küche und steuerte auf den roten Salon zu. Mikesch, François und Monsieur Jacques liefen erschrocken hinterher. Sie hatte keine Ahnung, was da gerade vor sich ging. Auf dem Herd köchelte die Fischsuppe vor sich hin.

 

 

Um in den roten Salon zu gelangen, musste man an der Gaststube vorbei durch einen schmalen Flur gehen. Ganz am Ende des Flures gab es  zwei Türen. Auf beiden Türen stand “Privat - Zutritt für Unbefugte verboten“. Pitbull stieß die linke Tür auf. Eine schmale, alte Wendeltreppe führte hinauf in die obere Etage. Auch hier musste man ganz ans Ende eines noch schmaleren Flurs laufen. Hier befand sich eine Tür auf der in goldenen Buchstaben “Roter Salon“ zu lesen war. Pitbull zwängte sich mit seinem Anhang durch die Tür.

11. Dezember

Doch dann wurde die Tür zum Restaurant mit einem lauten Knall aufgestoßen. Aus der Gaststube drang der Klang vieler Stimme und das Klirren von Geschirr und Besteck in die Küche. In der Tür stand ein weiteres Meerschweinchen. Es war lang und hager, seine Haare waren glatt und zu einem Scheitel gekämmt. Es trug ein weißes Hemd, eine schwarze Weste und eine Fliege um den Hals. 

„Jacques, wo bleibt das Essen für die Gäste?“, rief das hagere Meerschweinchen genervt. Es hatte ebenfalls einen französischen Akzent. „Ja, ja, ja, is gleisch soweit. Nerv misch nicht, François. Du siehst, isch hatte ier einen kleinen Zwischenfall“, gab ihm Monsieur Jacques zu verstehen und nickte mit dem Kopf in die Richtung, wo die vier Waldtierfreunde ihren Gemüsebrei schlürften. François warf die Hände in die Luft: „Oh là là, was ast du dir nur dabei gedacht? Der Schuppen ist voll und du fütterst in deiner Küsche Gesindel dursch? Oh, das wird Madame Mitzi aber nischt gefallen!“, schimpfte François. „Das muss sie ja nischt erfahren. Sie sitzt im roten Salon und spielt Karten mit der ehrenwerten Gesellschaft“, gab ihm Monsieur Jacques verärgert zur Antwort. 

 

 

Während die beiden diskutierten, trat plötzlich eine weitere Gestalt in den Türrahmen und meinte mit mürrischer Stimme: „Was ist hier los, gibt heute noch was zu essen?“ Den vier Waldtierfreunde blieb beinahe der Gemüsebrei im Halse stecken. Finn ließ vor lauter Schreck seinen Löffel fallen, der laut scheppernd auf den Boden herunter fiel. In der Tür stand Pitbull. Er sah nicht gut gelaunt aus. Als er die vier entdeckte, schob er François schroff zur Seite und steuerte direkt auf die vier Waldtierfreunde zu.

 

10. Dezember

Mikesch trat durch die schmale Tür in die hell erleuchtete Küche. Es war die Küche eines Restaurants. Das dicke Meerschweinchen hatte sich selbst zum französischen Gourmetkoch ernannt und wollte, dass man es “Monsieur Jacques“ nannte. In Wirklichkeit wusste niemand so genau, woher es eigentlich kam. Da stand er nun - Monsieur Jacques - in seiner Küche und tobte. Die vier Waldtierfreunde hielt er immer noch fest im Griff. 

 

„Mon Dieu, isch abe den Laden voller ungriger Gäste und oben im Salon wartet die ehrenwerte Gesellschaft auf ihr Essen. Mein Personal streikt und meine Küsche ist voller Lumpenpack, das mein Essen stehlen will.“ Inzwischen klang Monsieur Jacques schon nicht mehr ganz so wütend, doch dafür theatralisch. Er ließ Mara, Hubi, Ingo und Finn auf den Küchenboden plumpsen, drehte sich kopfschüttelnd um, griff nach der Kochkelle und rührte in der Fischsuppe herum, die auf dem Herd vor sich hin köchelte. Er wusste gar nicht recht, warum er die vier Waldtierfreunde mit in die Küche genommen hatte. Irgendwie taten sie ihm leid. Monsieur Jacques drehte sich wieder um, fuchtelte mit der Kelle in der Luft herum und befahl Mikesch: „Eeehh, fauler Kater, gib den vieren was von dem Gemüsebrei. Isch glaube sie aben Unger.“ Monsieur Jacques klang schon fast ein bisschen freundlich. Mikesch holte vier Schälchen aus dem Schrank, füllte sie mit Gemüsebrei und stellte sie auf den Küchentisch. Die vier Waldtierfreunde setzten sich hin und löffelten genüsslich den herrlich duftenden Gemüsebrei. Endlich etwas zu essen! Und sie waren sehr erleichtert, nicht im Suppentopf von Monsieur Jacques gelandet zu seinDieser drehte sich in diesem Moment noch einmal zu ihnen um und meinte mit strenger Miene: "Aber dann, wenn ihr fertisch seid, elft ihr mir alle beim Gemüseschälen, klar!“ Die vier Waldtierfreunde und Mikesch nickten zustimmend. 

9. Dezember

„Wer seid ihr denn und was tut ihr hier?“, fragte der Kater verwundert, nachdem er beim Aufheben der Apfelsine die vier Waldtierfreunde entdeckt hatte. „Ähhhm, ähh ... wwwir ...“, stammelte Ingo. „Wiwiwir sind ...“, nahm er einen neuen Anlauf. „Wir sind Ingo, Hubi und Mara und ich bin Finn“, übernahm der kleine Fuchs nun die Vorstellungsrunde. „Wir kommen aus dem Wald und sind weit gereist“, begann er zu erzählen. Nun berichtete Finn, wie sie hierhergekommen waren und auch, dass sie einen Fuchs namens Hipster suchten. Der Kater hörte aufmerksam zu. „Hallo Ingo, Hubi, Mara und Finn, freut mich euch kennenzulernen. Ich bin Mikesch“, stellte er sich vor „Das ist eine unfreundliche, gefährliche Gegend. Ihr solltet besser nicht hier sein“, meinte er daraufhin und machte ein besorgtes Gesicht. 

 

 

Kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, da wurde auch schon die schmale Tür aufgestoßen, das dicke Meerschweinchen trat wütend nach draußen und schrie mit französischem Akzent: „Mikesch, du elender Taugenichts, wo steckst du bloß wieder? Mach, dass du reinkommst. Ab an die Arb ...“. Mitten im Satz hielt das Meerschweinchen inne. Eben hatte es die vier Waldtierfreunde entdeckt „So ein Mist. Was sind denn das für Rumtreiber? Das hat mir gerade noch gefehlt!“, schrie das dicke Meerschweinchen nun noch etwas wütender. „Schleichen im Dunkeln in meinem Hof herum,klauen mir meine Essen und halten andere von der Arbeit ab. Ich sollte euch in meinen Suppentopf werfen. Na wartet“, fluchte es mit hochrotem Gesicht weiter. Schnurstracks ging es auf die vier Waldtierfreunde zu, hob Hubi und Mara auf und klemmte sie unter seinen linken Arm. Dann packte es Finn und Ingo mit der freien Hand am Kragen und trug alle vier durch den dunklen Hof. Mit dem Fuß stieß es die schmale Tür auf und verschwand mit seiner Beute in der Küche. Scheppernd fiel die Tür ins Schloss. Mikesch stand allein im dunklen Hof. Wieder öffneten sich oben im Hof die beiden Fenster. Die graue Katze und die Pudeldame mit Lockenwicklern hielten ihre Köpfe aus den Fenstern und riefen im Chor: „Ist jetzt endlich mal Ruhe da unten?“ Schon schlugen sie ihre Fenster wieder zu. Wie vom Blitz getroffen rannte Mikesch dem dicken Meerschweinchen, seinem Chef, hinterher. Wollte er die vier Freunde wirklich in den Suppentopf werfen?

 

8. Dezember

Plötzlich stieg den vier Waldtierfreunden ein verführerischer Duft in die Nase. Sie streckten ihre Schnuppernasen in die Luft: Es roch nach angebratenem Gemüse. Sie standen auf und folgten dem Duft. Dabei schauten sie gar nicht genau, wo sie eigentlich hinliefen. Kurze Zeit später fanden sie sich in einem dunklen Hinterhof wieder. Nur in dem kleinen vergitterten Fenster einer schmalen Tür brannte noch Licht. Von drinnen hörte man laute Stimmen und das Klappern von Töpfen und Geschirr. Plötzlich öffnete sich die Tür. Ein dickes Meerschweinchen mit Kochmütze quetschte sich laut fluchend in den Türrahmen, stellte einen Eimer mit Gemüseabfällen nach draußen und drehte sich wieder um. Laut scheppernd fiel die Tür ins Schloss. 

 

Glücklicherweise hatte das Meerschweinchen die vier Waldtierfreunde im dunklen Hof nicht gesehen. Schon wollten Hubi und Finn zum Eimer laufen, um zu sehen, ob sie darin etwas Essbares finden würden. Da gingen weiter oben in ein paar Fenstern Lichter an. Eine alte graue Katze streckte ihren langen dünnen Hals weit aus dem Fenster und schrie mit schriller Stimme: „Ruhe, ihr –Gesindel da unten! Müsst ihr immer so rumfluchen? Da kann ja keiner ein Auge schließen.“ Gegenüber öffnet sich noch ein Fenster. „Schrei nicht so rum, du olle Schrulle! Ich muss meinen Schönheitsschlaf halten.“, rief eine Pudeldame. Ihre Lippen waren pink und auf dem Kopf trug sie lauter Lockenwickler. „Halt die Klappe, Tussi“, gab ihr die Katze mürrisch zur Antwort und knallte ihr Fenster wieder zu. Die Pudeldame schüttelte entrüstet ihren Kopf und schloss ihr Fenster ebenfalls. Verdutzt schauten die vier Waldtierfreunde nach oben. Da öffnet sich nochmals die schmale Tür und immer noch laut fluchend warf das dicke Meerschweinchen einen Fischkopf mit Gräten in den Hof. Gleich darauf war es wieder verschwunden.  

 

 

Wo waren sie da bloß gelandet? „Eine merkwürdige Gegend ist das hier“, stellte Ingo fest. Sie machten einen Bogen um den stinkenden Fischkopf und gingen zum Gemüseeimer. Tatsächlich fanden sie darin einige Karottenstücke mit Grünzeug. Als sie so knabbern, öffnet sich  die Tür ein weiteres Mal. Diesmal war es nicht das dicke Meerschweinchen, sondern ein Kater. Er sah noch sehr jung aus. Mit der einen Pfote hielt er einen weiteren Eimer mit Gemüse, in der anderen hielt er zwei kleine Apfelsinen. Er stellte den Eimer ab und begann mit den beiden Apfelsinen zu jonglieren. Eine ganze Weile warf er die orangen Bälle in die Luft und fing sie wieder auf. Immer höher und höher warf er sie in die Luft, bis ihm eine Apfelsine herrunterfiel. Die Apfelsine rollte ein kleines Stück über den Boden, bis sie vor Ingos Füßen liegen blieb. Die vier Waldtierfreunde standen mucksmäuschenstill an Ort und Stelle. Sie wollten doch auf keinen Fall entdeckt werden …

7. Dezember

Hubi, Ingo und Mara schlugen entsetzt die Hände vor die Augen. „Komm Pit, lass gut sein. Wir müssen hier eh raus“, knurrte ein völlig zerzauster grauer Straßenkater mit zerrissener Jeans und Sonnenbrille, zwischen seinen Zähnen hervor. Er stand hinter dem fiesen Hund und klopfte ihm auf die Schulter. Die Bustüren öffneten sich. „Los, komm!“, drängelte der Kater und wies mit einer Kopfbewegung in Richtung Tür. Pit ließ Finn fallen und folgte dem Kater nach draußen. 

 

„Mensch, Finn, was hast du dir dabei gedacht?“, maulte Hubi. „Ich bin wütend, hungrig und müde“, platzte es aus Finn heraus. Hungrig und müde waren sie alle, da mussten sie ihrem Freund beipflichten. Mittlerweile war der Bus vollgestopft mit düsteren Gestalten. Die vier Waldtierfreunde fühlten sich gar nicht wohl. Mittlerweile hatten sie das Stadtzentrum hinter sich gelassen. „Wo steigen wir eigentlich aus?“, wollte Ingo wissen und sah seine drei Freunde fragend an. Das wusste keiner so richtig. Sie guckten aus dem Busfenster und sahen bunte Lichter vorbeiziehen. „Da! Seht mal!“, rief Mara plötzlich ganz aufgeregt. „Wir müssen hier unbedingt aussteigen“, drängelte sie weiter. Jetzt entdeckten auch die anderen, weshalb Mara so aufgeregt war. Sie fuhren an einer kleinen Bude vorbei auf der in großen roten Buchstaben “DÖNER“ stand. An so einer Bude hatten sie Hipster damals kennengelernt. Der Bus wurde langsamer, bis er schließlich anhielt. Die vier Waldtierfreunde hüpften aus dem Bus. „Hier werden wir Hipster finden. Bestimmt steht er hier irgendwo und knabbert an einer Karotte“, piepste Mara voller Hoffnung weiter. Sie gingen ein paar Schritte und blieben vor der Bude stehen. 

 

 

Aus der Nähe sah die Dönerbude nun doch etwas anders aus. Es roch auch ganz und gar nicht nach Karotten. Sie liefen einmal um die Bude herum. Dann teilten sie sich auf und liefen in entgegengesetzter Richtung zurück, bis sie sich auf der anderen Seite wieder trafen. Doch Hipster konnten sie nirgendwo sehen. Traurig und frustriert setzten sie sich am Straßenrand auf ein Stück Zeitung. Sie waren müde und sie froren in der kalten Abendluft. 

 

6. Dezember

Auf der anderen Straßenseite war es nicht besser. Immer mehr Menschen strömten immer schneller den vier Freunden entgegen. Sie kamen kaum vorwärts und hatten auch hier zu tun, nicht zertrampelt zu werden. Ingo packte die kleine Mara und rollte sich ein. Wie ein Fußball wurden die beiden in die Richtung zurückgetreten, aus der sie gerade gekommen waren. Finn und Hubi drehten sich um und eilten dem stacheligen Ball hinterher, damit sie ihre beiden Freunde nicht aus den Augen verloren. 

 

In einer Seitenstraße kam die stachelige Kugel endlich zum Stehen. Ingo rollte sich aus und half Mara auf die kleinen Beine. Noch ganz benommen schwankte sie hin und her. Ratlos blickten sich die vier Waldtierfreunde um. Den großen Bahnhof hatten sie noch nicht gefunden, sie wagten sich aber auch nicht wieder auf diese überfüllte Straße zurück. „Seht mal“, rief Hubi, „da hinten fährt die 31.“ Die anderen drehten sich ebenfalls um und entdeckten den blauen Bus mit der Nummer 31. Fragend schauten sie Hubi an: „Na, wisst ihr denn nicht mehr? Letztes Jahr sind wir mit Hipster doch auch in den Bus mit der Nummer 31 gestiegen. Bestimmt hat er auch hier diesen Bus genommen. Wir brauchen bloß einzusteigen und schon fahren wir zu Hipster“, sprudelte es nur so aus Hubi heraus. Schnell liefen sie zur Haltestelle und hüpften nacheinander in den blauen Bus. Mit einem heftigen Ruck ging die Fahrt los. Mara konnte sich nicht so schnell festhalten, flog durch den halben Bus nach vorn und krachte in einen anderen Fahrgast. 

 

 

Es war ein großer brauner Hund mit fieser Miene und breiten Schultern. Er trug eine schwarze Lederjacke und eine Goldkette. Auf der umgedrehte Schirmmütze auf seinem Kopf stand der Schriftzug ‘Pitbull‘. „Eeehhj, willst du Probleme?“, knurrte er die kleine Mara an. Finn kam schon gelaufen und stellte sich schützen vor die kleine Maus. „Eeehhj!“, äffte er im selben Ton zurück, „Lass gut sein Alter, sie ist doch noch so klein.“ „Wie jetzt? Was hast du da gesagt?“, schnaubte der Hund wütend, bückte sich zu Finn hinunter und packte ihn am Kragen. Finn rümpfte die Nase, der finstere Hund hatte üblen Mundgeruch. „Eeehhj, lass mich runter! Du stinkst“, prustete Finn dem Hund mitten ins Gesicht. Der Hund hielt Finn noch immer fest und ballte die Hand zur Faust. 

 

5. Dezember

Inzwischen war die Sonne untergegangen. Es war schon fast dunkel. Tabea und Trudy flogen durch kleine enge Gassen. In vielen Fenstern brannte ein gemütliches Licht. Die vier Waldtierfreunde folgten den beiden. Bald waren sie auf einer großen unendlich langen Straße angekommen. Hier gab es unzählige Geschäfte mit bunt dekorierten Eingängen und Weihnachtsschmuck in der Auslage. Viele Menschen mit Einkaufstüten hasteten die Straße entlang. Die beiden Tauben flogen zu einer Bank und warteten, bis die vier Waldtierfreunde bei ihnen angekommen waren. Trudy hob ihren Flügel und zeigte in die eine Richtung der großen Straße: „Nun lauft ihr einfach weiter, bis ihr ans Ende der Straße kommt. Da befindet sich der große Bahnhof.“ Finn, Hubi, Ingo und Mara blickte in die Richtung von Trudys ausgestrecktem Flügel, doch ein Ende der Straße war nicht in Sicht. Die beiden Tauben waren bereits wieder in der Luft und während sie davonflogen riefen sie im Chor: „Adieu, kleine Freunde, und viel Glück.“

 

„Na, dann los“, sagte die kleine Mara mutig und hakte sich bei Ingo ein. Hubi und Finn trotteten den beiden hinterher. Je länger sie der Straße folgten, desto voller wurde es. Immer mehr Menschen kamen aus allen Richtungen und eilten auf dem Gehweg entlang. Sie trugen dunkle Kleidung und die meisten von Ihnen blickten auf einen kleinen Bildschirm, den sie vor sich in der Hand hielten. Manche von ihnen trugen den Bildschirm auch am Ohr und sprachen laut vor sich hin. Sie sahen irgendwie wie Roboter aus. Keiner von ihnen bemerkte die vier Waldtierfreunde, die damit beschäftigt waren, den vielen Beinen auszuweichen und dabei gar nicht richtig erkannten, wohin sie eigentlich liefen

Finn blieb kurz stehen: „Wir könnten die Straßenseite wechseln. Vielleicht sehen wir da besser, wo wir lang gehen müssen.“ Er hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da hoppelte Hubi schon auf die Straße. In diesem Moment kam eine blaue Straßenbahn angefahren. In letzter Sekunde erwischten Finn den Freund an seinem weißen Bommelschwänzchen. Gerade noch rechtzeitig konnte er ihn zu sich auf dem Gehweg zurückziehen.

 

 

Laut bimmelnd brauste die Straßenbahn vorbei. Hubi war starr vor Schreck und Finn wischte sich mit der Pfote über die Stirn: „Ufff. Gerade nochmal Glück gehabt!“ Ingo und Mara waren kreidebleich und schauten die anderen beiden mit erschrockenen Augen an. Als Hubi sich endlich wieder rühren konnte, fiel er seinem Freund um den Hals: „Danke Finn, du hast mich gerettet.“ Nun schauten die vier Waldtierfreunde ganz genau in beiden Richtungen der Straße, bevor sie sich auf die andere Seite wagten. 

4. Dezember

 

Finn drehte sich zu seinen Freunden um und flüsterte mit hastiger Stimme: „Husch, husch! Macht, dass ihr da raus kommt!“ Genauso durchgefroren wie er, kamen Hubi und Mara nur langsam aus dem Sack gekrochen. Verdutzt blickten sie Finn an, der ungeduldig von einem Bein auf das andere hüpfte. Sie verstanden seine plötzliche Eile nicht. Er fuchtelte wild mit seinen Pfoten umher und zeigte in die Richtung, in die Hipster verschwunden war. „Es war Hipster, der im Stadtpark auf den Schlitten gesprungen ist“, beeilte sich Finn seine Aufregung zu erklären. Hubi und Mara blickten in die Richtung, in die Finn zeigte, und sahen gerade noch, wie die weiße Spitze des Fuchsschwanzes hinter der nächsten Hausecke verschwand. 

 

Ingo hatte sich mit seinen Stacheln im groben Stoff des Sackes verfangen und konnte sich nicht selbst befreien. Hubi und Mara eilten ihm zu Hilfe. Finn konnte nicht mehr warten. Er rannte los in Richtung der Hausecke, hinter der Hipster verschwunden war. Endlich war auch Ingo frei. Die drei rannten den beiden Füchsen hinterher. An der Hausecke angekommen fanden sie den atemlosen Finn. Er schaute seine Freunde mit verzweifeltem Blick an. Eine große Träne kullerte ihm über die kalte Fuchswange. „Ich habe ihn verloren“, schluchzte Finn und ließ enttäuscht den Kopf hängen. Hubi legte tröstend seine Pfote um Finns Schultern und sagte entschlossen:  „Wir werden ihn finden.“

 

Die vier Waldtierfreunde schauten sich um. Sie standen in einer kleinen Gasse, die von lauter alten Häusern gesäumt war. Sie hatten keine Ahnung, wo sie waren. Da hatte die kleine Mara eine Idee. „Kommt, wir gehen zurück auf den großen Platz zum Weihnachtsmann. Wir erzählen ihm alles, bitten ihn um Entschuldigung und dann wird er uns bestimmt helfen.“ Da den anderen nichts besseres einfiel, schlurften sie alle wieder zurück auf den Platz, wo sie vor kurzem aus dem Sack geklettert waren. Doch der Schlitten mit Flöckchen und dem Weihnachtsmann war bereits verschwunden. 

 

Verlassen standen sie auf dem großen Platz mit den alten Bäumen. Dort gab es auch einen Brunnen. Auf dem stand eine seltsame Frauenfigur in einer Art Rüstung. In der Hand hielt sie einen Speer mit wehender Fahne. Ihr Blick war sehr entschlossen. 

Die vier Waldtierfreunde entdeckten eine niedrige Mauer, die fast den ganzen Platz umgab. Auf diese setzten sie sich. Erst jetzt bemerken sie, dass sie sich auf einer kleinen Anhöhe befanden. Von hier oben hatte man einen herrlichen Blick auf eine Stadt mit einem Fluss. Entlang des Flusses standen viele hübsche Bäume mit bunten Kugeln und Lichtern daran. Es war ja bald Weihnachten und bestimmt war die Stadt deswegen besonders schön geschmückt. Bei diesem wunderbaren Anblick konnten die vier Freunde zumindest für einen kleinen Augenblick ihren Kummer vergessen. Doch es lag Schnee und es war bitterkalt. Bald begann Mara mit den Zähnen zu klappern, so sehr fror sie. Langsam bekamen die vier Waldtierfreunde auch Hunger,immerhin waren sie seit Stunden unterwegs. 

 

Plötzlich kamen zwei Tauben angeflattert, die sich neben die vier Freunde auf die Mauer setzten. Sie trugen ein paar Körner in ihren Schnäbeln und legten sie den vier Waldtierfreunden hin. „Gurrr, gurrr, die Körner sind für euch. Es ist nicht viel aber hilft vielleicht ein bisschen,“ gurrte die eine Taube mit rollendem R in der Stimme. Das graue Gefieder der Tauben schimmerte bläulich. Erstaunt aber dankbar steckten die vier Waldtierfreunde die Körner in den Mund. „Gurr, gurrr, wir beobachten euch schon eine ganze Weile“, sprach die Taube weiter. „Ich bin Tabea und das ist meine Schwester Trudy. Was wollt ihr hier in dieser Stadt?“, mischte sich die andere Taube ein, „“

 

 

Die vier Waldtierfreunde erzählten von ihrer Reise, dass sie erst ganz woanders hin wollten und nun ihren Freund Hipster suchten, den sie gerade gefunden doch auch gleich wieder verloren hatten. Sie hätten nicht die geringste Ahnung, wo sie mit der Suche nach Hipster beginnen sollten. Tabea tippelte auf der Mauer hin und her, während sich Trudi aufplusterte und schließlich meinte: „Am besten, ihr geht zum großen Bahnhof. Da gibt es viele Stadtfüchse. Vielleicht kennt da jemand euren Freund.“ Tabea blieb nun endlich stehen und nickte ihrer Schwester zustimmend zu. Beide schüttelten ihre Flügel zurecht und flogen los. Die vier Waldtierfreunde hüpften von der Mauer und machten sich zu Fuß auf den Weg.

3. Dezember

Inzwischen war es draußen hell und die Vögel zwitscherten munter. Die Sonne strahlte. Es schien ein schöner Wintertag zu werden. Die vier Waldtierfreunde steckten noch immer in diesem dunklen Sack. Der Wind pfiff eiskalt durch den groben Stoff und langsam wurde es ungemütlich. Von der Sonne merkten sie hier drinnen nicht viel. Die Geschenke drückten von allen Seiten und es war unbequem auf den harten Walnüssen zu sitzen. Stundenlang fuhr der Schlitten durch die verschneite Landschaft, vorbei an Feldern, Dörfern und Städten - ja sogar über die Berge sauste er. Doch auch davon kriegten Finn, Hubi, Ingo und Mara natürlich nichts mit. Die vier Waldtierfreunde froren fürchterlich und sie machten sich Sorgen. Sie hatten ja keine Ahnung, wohin die Reise ging. 

 

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt der Schlitten an. Vorsichtig blickte Finn durch das Loch im Sack nach draußen. Sie waren auf einem Platz gelandet, der von großen Bäumen und alten Häusern umgeben war. Die Sonne stand schon sehr tief und es wurde bald dunkel. Sie mussten sehr, sehr weit gereist sein. 

 

Finn hörte, wie die Gestalt vom Schlitten sprang und sich vom Weihnachtsmann verabschiedete: „Danke fürs Mitnehmen. Tschüss, Weihnachtsmann und gute Reise. Bis bald. Wir sehen uns!“

 

„Diese Stimme kenne ich doch...“, dachte Finn. Schnell wollte er durch das Loch ins Freie steigen, doch durch die stundenlange Fahrt in der eisigen Kälte waren seine kleinen Knochen so steif, dass er sich nur langsam aus dem Sack befreien konnte. Die Gestalt mit der bekannten Stimme entfernte sich rasch. Finn blickte ihr hinterher und erkannte den buschigen, orangeroten Schwanz mit der weißen Spitze, genauso wie er ihn selbst auch hatte. Finn war sich ganz sicher: Das war Hipster!

 

2. Dezember

Wie vereinbart treffen sich am nächsten Morgen die vier Waldtierfreunde wieder auf der Lichtung. Hier stand, der bepackte Schlitten des Weihnachtsmannes. Wie schon im Jahr zuvor knabberte Maja ein Loch in den großen gefüllte Sack. Schnell krochen sie nacheinander in den Sack hinein und versteckten sich zwischen den Geschenken, Nüssen und Früchten, die der Weihnachtsmann für die Kinder in der Stadt eingepackt hatte. Es dauerte auch gar nicht lange, da kam der Weihnachtsmann zusammen mit seinem Rentier auf der Waldlichtung an. Er spannte das Rentier vor den Schlitten, reichte ihm einen saftigen Apfel und streichelte ihm gütig über sein glänzendes Fell. Während der Weihnachtsmann auf den Schlitten stieg, murmelte er mit freundlicher Stimme in seinen weißen Bart: „Na, Flöckchen, bist du bereit für die große Reise?“ Das Rentier schnaubte und nickte zustimmend mit dem Kopf. Der Weihnachtsmann nahm die Zügel in die Hand und rief: „Flöckchen, lauf!“ - Schon brauste das Rentier los und sauste in Windeseile durch den verschneiten Winterwald. Die vier Waldtierfreunde hatten zu tun, dass sie nicht von den herumpurzelnden Geschenken erdrückt wurden. 

 

Nach einer Weile hielt der Schlitten abrupt an. Schnell zwängten sich Hubi, Finn, Ingo und Mara durch das Loch nach draußen. Es war noch immer dunkel, doch in der langsam einsetzenden Dämmerung erkannten die vier Waldtierfreunde den großen Brunnen im Stadtpark, wo sie bereits im letzten Jahr angekommen waren. Schon wollten sich die vier Waldtierfreunde in Richtung des großen Stadtparktors davonschleichen, als sie in der Ferne die dunklen Umrisse einer Gestalt entdeckten. Diese kam rasch näher, ja sie steuerte sogar direkt auf sie zu. 

 

 

Starr vor Schreck blieben Hubi, Mara und Ingo stehen. Finn drehte sich zu den dreien um und flüsterte: „Pssst! Husch, husch zurück in den Sack!“ Rasch krochen sie wieder in den Sack hinein. Sie schafften es gerade noch rechtzeitig, bevor die unbekannte Gestalt den Schlitten erreichte und leichtfüßig neben den Weihnachtsmann auf den Schlitten hüpfte. Das Herz klopfte den vieren bis zum Hals. Sie horchten angestrengt. Zu gern wollten sie verstehen, was vorn auf dem Schlitten gesprochen wurde. Doch das einzige, was sie verstanden, war das Rufen des Weihnachtsmannes: „Los, Flöckchen, lauf!" Es gab einen kurzen Ruck,der Schlitten setzte sich in Bewegung und weiter ging die rauschende Fahrt.

1. Dezember

Die vier Waldtierfreunde - der Hase Hubi, der Fuchs Finn, der Igel Ingo und die kleine Maus Mara - waren wie jedes Jahr um diese Zeit mit ihren Familien auf der Waldlichtung, um Nüsse und Blätter für das kommende Weihnachtsfest zu sammeln. 

 

Doch den vier Freunden war das bald zu langweilig. In der letzten Nacht hatte es geschneit und so lag herrlicher Pulverschnee auf der Waldlichtung. Finn griff in den frischen Schnee, formte einen Schneeball und warf ihn Hubi mitten ins Gesicht. Etwas verdutzt schüttelte Hubi den kalten Schnee von seiner Schnuppernase. Ingo und die kleine Mara, die alles beobachtet hatten, lachten schallend. Aber nicht sehr lange, denn Finn hielt schon den nächsten Schneeball bereit und warf ihn in die Richtung der beiden. Doch bevor Finn erkennen konnte, ob er sein Ziel getroffen hatte, wurde auch er von der weißen Pracht im Gesicht getroffen. Hubi hatte sich mit einem gekonnten Schuss gerächt und lachte schelmisch hinter seinen Hasenzähnen hervor. Ein Schneeball folgte dem nächsten und schon waren die vier Waldtierfreunde, in eine wilde Schneeballschlacht verwickelt. Kurze Zeit später lagen sie lachend und ganz außer Atem auf dem verschneiten Waldboden. Dann standen sie auf, klopften sich den Schnee aus dem Fell und setzten sich auf den alten Stamm neben der kleinen Tanne. 

 

 

Als sie da so saßen, fiel den vieren die abenteuerliche Reise vom letzten Jahr wieder ein, die sie in die große Stadt zu Hipster und seinen Freunden geführt hatte. „Wie es Hipster wohl geht?“, warf Finn fragend in die Runde. „Wir könnten ihn doch besuchen", rief Ingo und er war selbst etwas verwundert über seine Idee. „Jaaa, das machen wir“, stimmte Mara dem Igel zu. Finn runzelte die Stirn und meinte nachdenklich: „Und wie sollen wir dahin kommen?“ Hubi verpasste Finn einen Boxer mit seiner Hasenpfote. „Mensch Finn, auf dieselbe Weise wie im letzten Jahr.“, plapperte er munter drauf los, „Morgen kommt doch der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten vorbei. Da werden wir einfach wieder mitfahren.“ Nun war auch Finn begeistert und meinte: „Also los, Freunde, dann lasst uns jetzt gehen und ein paar Sachen für die Reise zusammenpacken. Wir treffen uns  Morgen früh vor Sonnenaufgang wieder hier auf der Lichtung.“ Schnell liefen sie in alle vier Himmelsrichtungen nach Hause. Keiner der vier machte ein Auge zu, so aufgeregt waren sie wegen der bevorstehenden Reise und dem Wiedersehen mit ihrem Freund, dem Stadtfuchs Hipster.


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